WISSEN : VERNETZEN : PUBLIZIEREN. Muhr, Thomas: Probleme der Pornographieforschung. Diplomarbeit,

Please download to get full document.

View again

All materials on our website are shared by users. If you have any questions about copyright issues, please report us to resolve them. We are always happy to assist you.
 37
 
  WISSEN : VERNETZEN : PUBLIZIEREN Muhr, Thomas: Probleme der Pornographieforschung. Diplomarbeit, Probleme der Pornographieforschung Diplomarbeit
Related documents
Share
Transcript
WISSEN : VERNETZEN : PUBLIZIEREN Muhr, Thomas: Probleme der Pornographieforschung. Diplomarbeit, Probleme der Pornographieforschung Diplomarbeit zur Erlangung des Magistergrades der Soziologie an der Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien Eingereicht von Thomas Muhr Wien, am Danksagung Ich möchte mich bei meinem Betreuer a.o.univ.prof.doz.dr. Alfred Smudits bedanken. Meinem Vater, meiner Mutter und meinem Bruder herzlichen Dank für ihre Geduld, Unterstützung und Hilfe in meiner gesamten Studienzeit. Dankend möchte ich auch das Fachtutoriumsprojekt des Instituts für Publizistik und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien erwähnen, das mir die Möglichkeit gegeben hat erste Schritte in Richtung wissenschaftlicher Lehre über Pornographie zu gehen. Speziellen Dank hierfür gebührt Katharina Krovat und Barbara Korb. 2 Inhaltsverzeichnis: 1. Einleitung 6 2. Forschungsinteresse, Relevanz und Vorgehensweise 7 3. Wirkungsforschung im Bereich der Pornographie Die ersten Ergebnisse der Wirkungsforschung und die erste amerikanischen Pornographiekommissionen von Wirkungsforschung, Gewalt und Aggression Attorney General s Commission on Pornography: Meese Kommission Zusammenfassung des aktuellen Forschungsstandes der Wirkungsforschung Statistiken Henner Ertel: eine repräsentative Langzeitstudie zur Wirkung von Pornographie Bilanz der Wirkungsforschung Ähnlichkeiten zu anderen Forschungsbereichen Der feministische Diskurs über Pornographie Definitionsversuche im ideologischen Spannungsfeld Ideologie der Spiegelungstheorie Kritische Beleuchtung radikalfeministischer Argumente Gesetzesentwürfe und Forderungen Konsequenzen und Zusammenfassung Medienwissenschaftliche Beiträge zur Pornoforschung Allgemeine Geschichte der Pornographie Typologien und Geschichte des Pornofilms Zusammenfassung und Bedeutung medienwissenschaftlicher Beiträge 89 3 6. Neuere Entwicklungen in der Pornoforschung Sexuelle Randgruppe Homosexualität Das Medium Internet Kinderpornographie Frauenpornographie Beispiel einer qualitativen Studie zum Verhältnis von Frauen zur Pornographie Theoretische Modelle Die Theorie der Exemplifikation Die soziale Lerntheorie Die Theorie des sozialen Vergleichs Die Ventiltheorie Die Korrelattheorie Soziologische Theorien Michel Foucault Theodor W. Adorno Anthony Giddens Kritik und Reflexion des Forschungsstandes Zusammenfassung und Bilanz Quellennachweis 126 4 Abbildungsverzeichnis: Abbildung 1: Forschungsfragen 8 Abbildung 2: Geschlechtsspezifische Auflistung stark erregender und nicht erregender Stimuli 16 Abbildung 3: Schema einer Kreuztabelle zur Erfassung von Verärgerung bei Männern und Frauen durch erotische Stimuli 22 Abbildung 4: Pädagogische, ärztliche Ratschläge und Forderungen an die Unterhaltungsindustrie 39 Abbildung 5: Mittlere Effekte und ihre Verteilungen über die Auswirkungen gewalthaltigen Videospielens auf verschiedene abhängige Variablenbereiche 40 Abbildung 6: Prozentwerte einer Antwortmöglichkeit zum Zusammenhang zwischen sexuellen Phantasien und realem Sexualleben 54 Abbildung 7: Gegenüberstellung der radikalfeministischen und liberalfeministischen Sichtweise über Pornographie 79 Abbildung 8: Phasen einer Geschichte der Pornographie 82 Abbildung 9: Typologie von Erotik- und Pornofilmen 83 Abbildung 10: Stilistische Entwicklungsphasen des Pornofilmes 87 Abbildung 11: Entwicklungsphasen des Pornofilmes im gesellschafltichen Kontext 88 Abbildung 12: Typologie des Hardcore Pornofilmes 89 Abbildung 13: Gegenüberstellung von Frauenpornographie und Mainstream - Pornographie anhand besonderer Merkmale von literarischen und visuellen Produkten 97 Abbildung 14: Die Rezeption von Pornographie im Vergleich: Alltagssituation und Laborsituation 113 Abbildung 15: Aussagekraft von Laborexperimenten der psychologischen Pornoforschung 115 Abbildung 16: Wissenschaftstheoretische Erklärungen der Pornoforschung 116 Abbildung 17: Kritikpunkte an der Wirkungsforschung 119 Abbildung 18: Forschungsfragen und Antworten 1. Einleitung Wenn Pornographie Teil einer Sexualität sein könnte, und Sexualität ein wissenschaftliches Untersuchungsobjekt darstellt, dann verwundert es nicht, dass Pornographie auch für die Wissenschaften interessant geworden ist. Schon Freud 1 oder Kinsey 2 haben ihr ihren Beitrag dazu geleistet. Ein Grund dafür könnte ein anhaltender wissenschaftlicher Diskurs sein, dessen Beginn vereinfacht ausgedrückt ab 1900 angesiedelt werden könnte. Hiermit wurde die wissenschaftliche Grundlage geschaffen Sexualität von rein biologischen Erklärungsmodellen zu trennen. 3 Allgemein kann man sagen - Die Forschung über Pornographie ist zum größten Teil eine Wirkungsforschung. Sie geht der Frage nach welche Auswirkungen Pornographie und dessen Konsum haben kann beziehungsweise haben könnte. Schwerpunktmäßig vor allem in Amerika, wo von der Regierung immer wieder Ausschüsse beauftragt worden sind, um mögliche Auswirkungen von Pornographie zu erforschen. Getrennt davon ist der feministische Diskurs über Pornographie zu sehen. Einerseits benutzt er hier Ergebnisse und Erkenntnisse der psychologischen Wirkungsforschung, um seine Argumente durch wissenschaftliche Studien zu belegen. Andererseits ist er stark ideologisierend und politisch. Nicht nur klassische Wirkungsforschung hat ihre Beiträge zu einem wissenschaftlichen Diskurs über Pornographie geleistet. Neben der Wirkungsforschung sind es vor allem die Medienwissenschaften und theoretische Konstrukte, die von der Schule der Wirkungsforschung manchmal abweichen und Pornographie als kulturelles und gesellschaftliches Phänomen begreifen und analysieren. In der vorhandenen Form muss der wissenschaftliche Diskurs über Pornographie hinterfragt werden. Wie gezeigt wird ist er einerseits zu stark in einem behavioristischen Ansatz behaftet und andererseits durch ein nicht haltbares Schadensdogma gekennzeichnet. Diese und andere Gründe lassen den Pornodiskurs sehr einseitig erscheinen. 1 Vgl. Freud, Sigmund: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie Leipzig, Wien: Deuticke, Vgl. Kinsey, Alfred, Pomeroy, Wardell und Clyde, Martin: Das sexuelle Verhalten der Frau, Frankfurt am Main: Fischer, 1963 und Kinsey, Alfred, Pomeroy, Wardell und Clyde, Martin: Das sexuelle Verhalten des Mannes, Berlin: Fischer, Vgl. Tilmann, Walter: Begrenzung und Entgrenzung. Zur Genealogie wissenschaftlicher Debatten über Sexualität, in: Bruns, Claudia und Walter, Tilmann: Von Lust und Schmerz, Köln, Weimar, Wien: Böhlau Verlag, 2004, S 2. Forschungsinteresse, Relevanz und Vorgehensweise Allgemein erhält das Thema seine Relevanz aus mehreren Gründen: Erstens ist der ökonomische Hintergrund zu sehen. Viele Quellen belegen, dass die Pornoindustrie einen enormen finanziellen Gewinn einfährt. So wird oft das Beispiel gebracht, dass die Pornoindustrie in Amerika mehr als die dortige Film- und Fernsehindustrie zusammen verdient. Zweitens ist Pornographie ein Thema, das stark in einer bestimmten Richtung des Erkenntnisinteresses anzusiedeln ist. Das Hauptaugenmerk der diesbezüglichen Forschungen richtet sich meist nach dem Zusammenhang zwischen Konsum von Pornographie und möglichen Auswirkungen auf das reale Sexualverhalten. Drittens gibt es auch eine wissenschaftstheoretische Relevanz des Themas. Und zwar die Tatsache, dass der wissenschaftliche Diskurs sehr ideologisiert geführt wird. Dies gilt nicht nur für den Bereich des Feminismus, sondern auch für den großen Bereich der Wirkungsforschung. Und genau in diesem dritten Relevanzgebiet setzt die vorliegende Arbeit an. Ziel dieser Arbeit soll es sein Schwerpunkte und Erkenntnisse einer Pornographieforschung aufzuzeigen und diese zu hinterfragen: 7 Forschungsfragen: Welche Schwerpunkte hat dieses Forschungsgebiet? Welche Wissenschaftler befassen sich mit der Thematik? Welche Motivation haben die Wissenschaftler sich mit dieser Thematik zu befassen? Gibt es Schwierigkeiten, Probleme oder Kritik bei der Erforschung der Thematik? Wenn ja, welche? In welcher Weise drückt sich das im praktischen Sinne aus? Gibt es eine Auftragsforschung im Rahmen einer Pornoforschung? Wird Pornographie wissenschaftlich nur in einer einseitigen Form untersucht? Wenn ja, wieso nicht anders? Gibt es Ergebnisse, die den Erkenntnissen der Wirkungsforschung widersprechen? Wenn ja, wieso werden diese dann in den meisten Fällen nicht beachtet? Was beinhalten diese Erkenntnisse? Wieso werden auch die durchaus guten Argumente gegen die methodische Vorgehensweise der wissenschaftlichen Pornoforschung fast nicht zur Kenntnis genommen? Welche Theorien bieten hier einen Rahmen, indem man diesen Sachverhalt erklären könnte? (Abbildung 1: Forschungsfragen) Um diese Fragen zu klären wird zunächst ein Überblick über die Ergebnisse und Erkenntnisse der Forschung gebracht. In weiterer Folge kann damit gezeigt werden, dass der Großteil der Forschung eine Wirkungsforschung ist. Dennoch gibt es Ergebnisse die der allgemeinen Tendenz Pornographie als negativ zu interpretieren, widersprechen. Der zweite große Teil der Arbeit dient der Aufarbeitung des feministischen Diskurses über Pornographie. Hier soll gezeigt werden, dass es nicht die eine richtige feministische Position gegenüber Pornographie gibt, sondern mehrere. Auch soll auf die Argumente der verschiedenen Positionen genau eingegangen werden um auch den ideologischen und widersprüchlichen Charakter aufzuzeigen. Sowohl Wirkungsforschung als auch der feministische Diskurs sind zwei große Themengebiete. Daraus soll zu erkennen sein, dass hier quantitativ viel Material vorhanden ist. Andere Disziplinen beschäftigen sich teilweise bis heute nicht in dem Ausmaß mit dem Phänomen der Pornographie, wie die Wirkungsforschung oder der Feminismus, weshalb die weiteren Kapitel auch kleiner sind und auch erst nach den zwei großen Themenbereichen diskutiert werden. 8 In den darauf folgenden Teilen wird versucht andere wissenschaftliche Disziplinen und Erkenntnisinteressen aufzuzeigen, die die teilweise starke Kritik an der üblichen Vorgehensweise äußern und relevante neue Ergebnisse liefern können. Hiermit sind vor allem die Aufarbeitung der Geschichte der Pornographie und das Thema Frauenpornographie gemeint. Später wird versucht theoretische Modelle aufzuzeigen, die ein Erklärungspotential bieten, um die oben dargestellten Forschungsfragen durch ein theoretisches Modell stützen zu können. Aber auch ganz allgemein sollen hier bekannte Theorien zum Thema Pornographie vorgestellt werden. Am Ende der Arbeit steht eine allgemeine Kritik, das Aufzeigen der Widersprüche und Charakteristika einer gängigen Pornographieforschung. Auch wird versucht werden, Erklärungen in einen theoretischeren Rahmen zu fassen. Um die Fragen beantworten zu können, wird auf Literatur zurückgegriffen. Die Literatur umfasst alle Positionen der wissenschaftlichen Debatten über Pornographie. In einen sinnvollen Zusammenhang gesetzt, soll es so gelingen die Forschungsfragen zu beantworten. Die Arbeit soll im Sinne einer wissenschaftlichen Selbstreflexion des Themas Pornoforschung einen Beitrag zur wissenschaftstheoretischen Wissensproduktion leisten. Anmerkung: Es ist drauf hinzuweisen, dass die Quellenangaben in Fußnoten bewusst immer ganz ausgeschrieben werden, um Leseunterbrechungen und unnötiges Herumblättern zu vermeiden. Außerdem sind manche Abbildungen und Tabellen direkt aus der Literatur entnommen und manche direkt in einer eigenen Form wiedergegeben. Es sind in der Arbeit sowohl die Schreibweise Pornografie, als auch Pornographie vertreten. Dies hängt mit der unterschiedlichen Schreibweise in direkten Zitaten zusammen. Inhaltlich ist zu beachten, dass die juristische Debatte um Pornographie bewusst ausgeklammert wird. Die verschiedenen Ansätze der Gesetzgebung in den verschiedenen Ländern werden bis auf ein paar Ausnahmen nicht thematisiert, da sie einen eigenen Themenkomplex darstellen. 9 3. Wirkungsforschung im Bereich der Pornographie In der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert kann die Geschichte der Wirkungsforschung als wissenschaftliche Disziplin angesiedelt werden. Hauptaugenmerk ist die Erforschung möglicher Zusammenhänge zwischen Medieninhalten, Konsum und Rezeption. Relevant hierfür waren die Medien Fernsehen und Hörfunk. Vor allem in Amerika befürchtete man mit dem Aufkommen dieser Medien einen schlechten Einfluss auf die Gesellschaft, insbesondere auf die Kinder und Jugendlichen und forderte Zensur. 4 Die Wirkungsforschung sollte diese Befürchtungen genauer untersuchen. Hier sind vor allem die wissenschaftlichen Disziplinen der Psychologie und Kommunikationswissenschaft von Bedeutung, die sich diesen Fragen annahmen. Ein Fallbeispiel für die Untersuchung einer Wirkung eines Massenmediums ist die Untersuchung von dem Hörspiel War of the worlds von Orson Welles. Dieses löste panikartige Reaktionen aus, weil manche Menschen an die Echtheit einer Invasion der Erde durch Außerirdische geglaubt hatten, wie sie im Hörspiel dargestellt wurde. 5 Als Disziplin war die Wirkungsforschung in ihren Anfängen an ein so genanntes Schadensdogma gebunden, das durch einen behavioristischen Ansatz gekennzeichnet war. 6 Dieses Verständnis einer schädlichen Wirkung des Medienkonsums hatte auch Auswirkungen auf die Methodenwahl der einzelnen Untersuchungen. Bis heute werden viele Studien mit Hilfe eines laborexperimentellen Designs durchgeführt. Die Wirkungen im Bereich der Medien werden hier meist in einem negativen Kontext analysiert. Auch heute noch unterliegt die Medienwirkungsforschung im Bereich der Pornographieforschung einer Ideologie, die eher auf negative Folgen, als auf positiven Konsequenzen der Medienwirkung abzielt. 7 In diesem Kontext ist die Pornographiewirkungsforschung zu sehen. 4 Vgl. Noelle-Neumann, Elisabeth, Schulz, Winfried und Wilke, Jürgen: Das Fischer Lexikon: Publizistik/Massenkommunikation, Frankfurt am Main: Fischer, 1996, S Vgl. Cantril, Hadley: The invasion from mars, princeton, 1940, zitiert nach: Noelle-Neumann, Elisabeth, Schulz, Winfried und Wilke, Jürgen: Das Fischer Lexikon: Publizistik/Massenkommunikation, Frankfurt am Main: Fischer, 1996, S Ein weiterer Bereich, dessen Anfänge in den dreißiger und vierziger Jahren anzusiedeln sind, ist die Publikumsforschung. Als Pionier der Publikumsforschung, beispielsweise im Bereich der Radioforschung, ist Paul Lazarsfeld zu nennen, von dem viele wegweisende empirische Arbeiten stammen. In den Anfängen der Rundfunkforschung wurde das Publikum im Zusammenhang mit ihren sozialen Schichten untersucht. Vgl. beispielsweise Mark, Desmond: Paul Lazarsfelds Wiener RAVAG Studie 1932: Der Beginn der modernen Rundfunkforschung, Musik und Gesellschaft 24, Wien; Mülheim a.d. Ruhr: Guthmann - Peterson, Allgemein ist die Wirkungsforschung jedoch auch einem Wandel unterzogen. So war der Anfang eher von einem behavioristischen Ansatz geprägt: Das Individuum beobachtet ein Verhalten, dass es später imitiert. Später wurde dieser Ansatz in Frage gestellt, wobei jedoch eine Einstellungsverstärkung durch die Medien vermutet wurde. Seitdem wird wieder von mittlerem und großem Einfluss der Medien gesprochen, wobei man meint, dass dies von dem Phänomen abhängig ist, das gerade untersucht wird. Vgl. Medienwirkung, aufgerufen am Wie sich später im Kapitel Ähnlichkeiten zu anderen Forschungsbereichen aufzeigen lässt, ist die Wirkungsforschung mit einer bestimmten Art der Vorgehensweise und Methodik verknüpft, die sich nicht nur in der Erforschung von Pornographie zeigt, sondern auch beispielsweise in der Erforschung der Wirkung und Folgen von Musikkonsum und allgemeiner Gewaltdarstellungen in den Medien wie Computerspielen. 8 Die Wirkungsforschung hat in einem quantitativen Sinn großen Anteil an einer Erforschung des Phänomens Pornographie. Grundlegend ist festzuhalten, dass die Wirkungsforschung meist einen negativen Effekt der Pornographie formuliert und diesen mittels empirischer Methoden überprüfen will. Die pornographische Wirkungsforschung geht meistens von der Annahme aus, dass Pornographie, die medial dargeboten wird, Folgen für die RezipientInnen hat. Diese Folgen werden oft negativ formuliert. Auffallend ist die quantitative Fülle von Studien, die sich damit beschäftigt. Im Gegensatz hierzu stehen die Beiträge anderer wissenschaftlicher Disziplinen, wie den Medienwissenschaften. Die Wirkungsforschung im Kontext der Pornographie beschäftigt sich mit den Folgen und der Wirkung von pornographischem Material auf RezipientInnen, während sich eine Medienwissenschaft eher mit den Inhalten und der Analyse des Materials beschäftigt. Die Wirkungsforschung der Pornographie hat ihre Ursprünge vor allem in Amerika. Hier sind viele Untersuchungen und Forschungen durchgeführt worden. Oft wird hier der Begriff einer amerikanischen Schule der Pornoforschung oder amerikanische Porno-Psychologie geprägt. 9 Einerseits war also Amerika ein Vorreiter bei der Erforschung des Wirkungszusammenhanges von Pornographie und dessen Konsum, obgleich die Studien methodisch einseitig mittels laborexperimentellen Designs durchgeführt wurden. Auf der anderen Seite gab es vor allem in Europa eine sexualpolitische Liberalisierungstendenz. Von Dänemark ausgehend, dass Pornographie 1967 legalisierte wurde diese liberale Sexualpolitik auch von anderen europäischen Staaten übernommen. In diesem geschichtlichen und politischen Hintergrund ist der Anfang einer wissenschaftlichen Pornographieforschung zu sehen, deren Anfänge bis heute vor allem von der Disziplin der Wirkungsforschung und Kriminalstatistiken geprägt sind. In diesem sexualpolitischen widersprüchlichen Klima wurden so genannte Kommissionen in Amerika einberufen. Teilnehmer dieser Kommissionen waren einige Wirkungsforscher und andere Experten. Die Kommissionen wurden einberufen, um eine Wirkung von Pornographie auf die Gesellschaft und die einzelnen RezipientInnen endgültig zu klären. Die Kommissionen erfassten den jeweiligen 8 Mögliche Erklärungsansätze hierfür sind im späteren Theorieteil dieser Arbeit zu finden 9 Vgl. Lautmann, Rüdiger u. Schetsche, Michael: Das pornographische Begehren, Frankfurt am Main / New York: Campus, 1990, S Forschungsstand der Zeit und versuchten einen Konsens in den jeweiligen Studien auszuarbeiten und zu interpretieren. Interessanterweise entsprechen die Ergebnisse und Erkenntnisse dieser Kommissionen dem gängigen politischen Klima der entsprechenden Zeit, in der die jeweilige Kommission zusammentraf. Es gab zwei große Pornographiekommissionen, die auch international viel Aufmerksamkeit in der scientific community erregten. Die erste Kommission Ende der sechziger Jahre und die zweite Kommission Mitte der achtziger Jahre. Im folgenden Teil wird nun versucht werden einige der Studien, die der Pornographiekommission als Daten dienten, und auch die danach durchgeführten Studien, näher zu erläutern. Versucht wird möglichst chronologisch, aber inhaltlich sinnvoll mittels Literatur und Sekundärliteratur einen Überblick über psychologische Wirkungsforschung bis heute zu geben. Die Auflistung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, soll aber dennoch Schwerpunkte der Forschung darstellen. Die Menge der dargestellten Studien, die nur einen kleineren Teil des tatsächlich vorhandenen Materials darstellt, erklärt sich dadurch, dass aufgezeigt werden soll, dass es eine Fülle von Studien gibt, die aber viele Widersprüche in ihren Ergebnissen und Interpretationen aufweisen. 3.1 Die ersten Ergebnisse der Wirkungsforschung und die erste amerikanischen Pornographiekommission von Schon 1967 unter Präsident Johnson wurde vom US-Kongress die Kommission zur Untersuchung kausaler Zusammenhänge zwischen Pornographie und sozialschädlichen Verhalten einberufen. Die Kommission bildete einen Unterausschuss, der unter anderem die Aufgabe hatte sexuelle Erregung, Erregungssättigung, Einstellung mit ihren emotionalen und kogni
Related Search
We Need Your Support
Thank you for visiting our website and your interest in our free products and services. We are nonprofit website to share and download documents. To the running of this website, we need your help to support us.

Thanks to everyone for your continued support.

No, Thanks