S Ü D W E S T R U N D F U N K F S - I N L A N D R E P O R T MAINZ S E N D U N G:

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Diese Kopie wird nur zur rein persönlichen Information überlassen. Jede Form der Vervielfältigung oder Verwertung bedarf der ausdrücklichen vorherigen Genehmigung des Urhebers by the author S Ü D W E S T R U N D F U N K F S - I N L A N D R E P O R T MAINZ S E N D U N G: Blut gegen Devisen: Westdeutsche Firmen profitierten von der Ausbeutung politischer Gefangener in der DDR AutorInnen: Kamera: Schnitt: Claudia Butter Achim Reinhardt Andreas Deinert Olaf Kreiß Thomas Schäfer Jonathan Schaider Moderation Fritz Frey: Erinnern Sie sich noch? Das war vielleicht ein Paukenschlag, als IKEA einräumen musste, dass politische Gefangene in der DDR zu Arbeiten für den schwedischen Möbelkonzern gezwungen worden sind. Zwangsarbeit für den Westen und davon soll nur IKEA profitiert haben? Unwahrscheinlich. Und deshalb hat die Stasi-Unterlagen- Behörde eine entsprechende Studie in Auftrag gegeben: Häftlingsarbeit in der DDR. Die bedrückenden Ergebnisse liegen uns exklusiv vor. Claudia Butter und Achim Reinhardt haben sich auf Spurensuche begeben und Inge Naumann kennengelernt. Eine Frau, die zu DDR-Zeiten eine politische Gefangene war und die schuften musste für den Klassenfeind im Westen. 2 Bericht: Mehr als drei Jahre war das hier ihr Leben Haft in Hoheneck. Inge Naumann war politische Gefangene im schlimmsten Frauenzuchthaus der DDR. Wurde drangsaliert, erniedrigt, gequält.»diese Erinnerungen lassen einen nicht los. Man hat Flashbacks am Tag, in der Nacht träumt man von Hoheneck, und ich glaube nicht, dass ich das bis an mein Lebensende vergessen werde. Hoheneck hat mich nicht nur körperlich, sondern auch psychisch geschädigt.«ihr Verbrechen: Sie hatte Ausreiseanträge gestellt. Schutz gesucht in der Ständigen Vertretung der BRD. Deswegen kam sie 1983 hinter Gitter, teilte die Zelle mit Mörderinnen. In Hoheneck wurde sie zum Arbeitskommando gezwungen Strumpfhosen nähen im Akkord für den DDR-Betrieb Esda Thalheim.»Die Zwangsarbeit war für mich menschenverachtend, das war Sklaventreiberei. Es war eine immense Arbeitsnorm in Hoheneck, die entsprach ungefähr dem Dreifachen der Arbeitsnorm draußen. Man hat nichts verdient, man hatte keinen Urlaub, ich habe bei Esda Thalheim teilweise samstags und sonntags arbeiten müssen. Die Schikane des Personals war extrem.«hier musste Inge Naumann Strumpfhosen nähen und in Form bringen Stück am Tag, erzählt sie. Wer die Norm nicht erfüllte, wurde bestraft. Der Druck war massiv. Für wen sie produzierten, wussten sie damals nicht.»nachdem ich ausreisen durfte mit meiner Familie, bin ich bei ALDI einkaufen gewesen in Bayern und habe dort die Strumpfhosen gesehen, die in Hoheneck produziert wurden. Es war die gleiche Qualität, und ich war fassungslos, dass die Strumpfhose 68 Pfennig kostet, und wir dort bis zum Umfallen arbeiten mussten in Hoheneck.« 3 Politische Häftlinge ausgebeutet in der DDR, und eine westliche Firma wie ALDI profitierte? Was Inge Naumann immer vermutet hat, lässt sich jetzt durch Akten belegen. Tobias Wunschik hat ein Jahr in Archiven geforscht. Exklusiv in REPORT MAINZ präsentiert er seine Ergebnisse.»Wesentlich mehr Unternehmen als bislang bekannt bezogen Waren aus der DDR von Betrieben, die teilweise Gefangene zur Arbeit einsetzten. Aus Akten ist jetzt belegbar, dass ALDI, Kaufhof, Karstadt, Kaufhalle, Woolworth Waren von Esda Thalheim bezogen, und dieser Betrieb hat in Hoheneck politische wie auch kriminelle Häftlinge zur Arbeit eingesetzt.«arnold Vaatz hatte den Reserve-Wehrdienst verweigert. Deswegen kam er in Haft. Er musste Stahlträger biegen in der Maxhütte Unterwellenborn. Ein Knochenjob. Fast den gesamten Lohn kassierte der DDR-Knast. O-Ton, Arnold Vaatz:»Man hat die Häftlinge in einer Weise geplündert, wie man sich das heute überhaupt nicht mehr vorstellen kann, in keinem zivilisierten Staat. Die Arbeit war lebensgefährlich, und viele Menschen, die dort gearbeitet haben, haben auch tatsächlich dort ihre Gesundheit und manche auch ihr Leben eingebüßt.«schon damals ahnte er: Die DDR exportierte die Stahlträger in den Westen für harte D-Mark. Auch Hugo Diederich war Zwangsarbeiter in einem Stahlwerk. Er saß in Haft, weil er beim Fluchtversuch von Grenzsoldaten erwischt wurde. In Gröditz bereitete er Stahlrohre für den Versand vor. O-Ton, Hugo Diederich:»Die Rohre die gebündelt wurden, gestapelt wurden, bekamen sogenannte Transportfähnchen. Auf den Transportfähnchen standen die Empfänger dieser Rohre. Es stand daran Mannesmann. 4 Es stand daran Klöckner, große Stahlkonzerne im Westen.«Fast alle Stahlwerke der DDR setzten Häftlinge ein, das lässt sich jetzt durch Akten nachverfolgen. Abnehmer unter anderem: Unternehmen im Westen. Doch Knastware ging nicht nur an Warenhäuser und Stahlkonzerne. Die Versandhäuser waren ebenfalls im DDR-Geschäft aktiv. Quelle, Neckermann, Otto und Baur bezogen billig Waren von drüben. Exklusiv liegen REPORT MAINZ jetzt Belege vor, dass auch der Volkswagen-Konzern betroffen ist. VW bezog für den Golf Scheinwerfer aus dem DDR-Betrieb Fahrzeugelektrik Ruhla. Für ihn mussten Häftlinge Zwangsarbeit leisten. Die Dimension der Häftlingsarbeit für Westfirmen weit größer als bisher bekannt. Zu diesem Ergebnis kommt Historiker Wunschik in seiner noch unveröffentlichten Studie:»Mehrere Hundert westliche Firmen waren im Ost-West-Handel aktiv, viele haben dabei Waren aus der DDR bezogen, und in sehr viele dieser Waren war eben Häftlingsarbeit eingeflossen. Es lässt sich aus Teilzahlen ungefähr abschätzen, dass jährlich etwa oder mindestens 200 Millionen DM mit Waren umgesetzt wurden, die allein auf Häftlingsarbeit beruhte.«auf Anfrage erklären die genannten Unternehmen, damals nichts von DDR-Häftlingsarbeit gewusst zu haben. VW teilt mit, man habe die Häftlingsarbeit weder veranlasst noch wissentlich gebilligt oder gar davon profitiert. ALDI Nord und ALDI Süd erklären, sie verurteilten Zwangsarbeit politischer Häftlinge in der DDR aufs Schärfste. Woolworth, Salzgitter-Mannesmann und Neckermann lehnen die Verantwortung für die Vorgänge ab, weil sie nicht die Rechtsnachfolger der damaligen Firmen seien. Otto und Baur erklären, sofern es konkrete Hinweise gebe, werde man diesen nachgehen. Konnten die Unternehmen nichts wissen? Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen bezweifelt das. 5 O-Ton, Roland Jahn, Bundesbeauftragter für die Stasi- Unterlagen:»Wer sich mit der Diktatur eingelassen hat, Geschäfte gemacht hat, der konnte nie sicher sein, unter welchen Bedingungen die Produkte gefertigt worden sind.man ging eben nicht bis in die Betriebe und ließ sich die ganze Produktionsstrecke zeigen. Das wäre ja möglich gewesen. Die DDR war derart erpicht auf Devisen, dass gerade Großabnehmer wie Quelle oder IKEA eben auch eine bestimmte Macht gehabt hätten, wenn man wirklich daran interessiert gewesen wäre.«hier im Gefängnis Gräfentonna bei Erfurt trieb die DDR die Ausbeutung der Gefangenen auf die Spitze. Mitte der 80er Jahre wurden Häftlinge sogar zur Ader gelassen, um Blut in den Westen zu verkaufen. Der damalige Vize-Chef des DDR-Bezirksinstituts für Blutspendeund Transfusionswesen bestätigt, dass seine Mitarbeiter Häftlingen Blut abnahmen. O-Ton, Rudolf Uhlig, ehemals Erfurter Bezirksinstitut für Blutspendewesen:»Es hat sich dort sehr gelohnt, dort in die Anstalt zu fahren. Weil jedesmal hatten wir Blutspender, und das war ein recht guter Erfolg. Wir haben dann nur Häftlinge abgenommen, ich glaube nicht, dass da ein Angestellter dort Blut gespendet hat, es waren eigentlich nur Häftlinge.«Ganz wohl sei den Ärzten und Krankenschwestern bei der Sache aber schon damals nicht gewesen. O-Ton, Rudolf Uhlig, ehemals Erfurter Bezirksinstitut für Blutspendewesen:»Die Befürchtung war eigentlich bei uns immer, dass diese Spenden nicht freiwillig durchgeführt worden sind, sondern dass doch ein gewisser Druck dahinter gestanden hat, 6 dass die Leute in so einer großen Zahl Blut gespendet haben im Gefängnis.«Aus einem Spitzel-Bericht geht hervor, dass Krankenschwestern sich einmal weigerten, Blut abzunehmen. Denn die armen Häftlinge seien doch sicher alle gezwungen worden.»in der Besonderheit einer Haftsituation in einer Diktatur kann von Freiwilligkeit natürlich nicht die Rede sein. Die Häftlinge befürchteten gewiss Nachteile, wenn sie sich dem Wunsch einer Blutspende entziehen würden, sie hofften ja immer auf vorzeitige Haftentlassung, das hätten sie möglicherweise abschreiben können «Die DDR verkaufte das Blut damals über einen Zwischenhändler an das Bayerische Rote Kreuz. Die Etiketten der Blutbeutel sind in den Stasi-Akten überliefert. Auf Anfrage von REPORT MAINZ gibt das Bayerische Rote Kreuz den Bluthandel mit der DDR zu. Ob man damals gewusst habe, dass das Blut von Häftlingen stammt, sei nicht mehr zu klären. Bluten und Schuften für Devisen der Westen profitierte vom Unrecht der DDR. Der Bundesbeauftragte für Stasi-Unterlagen fordert weitere Aufarbeitung. O-Ton, Roland Jahn, Bundesbeauftragter für die Stasi- Unterlagen:»All das muss im Detail aufgeklärt werden, damit auch dann Firmen in Verantwortung genommen werden können, angemahnt werden können, dass sie sich beteiligen an Bereitstellung auch von Finanzen.«Politische Häftlinge wie Inge Naumann, die in der DDR Zwangsarbeit leisten mussten, hoffen immer noch auf eine Wiedergutmachung.»Die Haftzeit, die prägt bis ans Lebensende. Ich bin körperlich kaputt, und es interessiert sich niemand mehr dafür.«ausgerechnet der Westen, der für sie Freiheit bedeutete, hat aus ihrer Zwangsarbeit Profit geschlagen.
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