Claudia König Kindersicherheit auf Spielplätzen Magdeburg, PDF

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HOCHSCHULE MAGDEBURG - STENDAL (FH) Fachbereich Sozial- und Gesundheitswesen Studiengang Gesundheitsförderung und -management Projektbericht Prof. Dr. Thomas Hartmann Claudia König Kindersicherheit auf Spielplätzen Magdeburg, 2005 Claudia König Matrikelnummer CLAUDIA KÖNIG THEODOR-BOGLER-WEG ERFURT TEL. 0160/ Inhaltsverzeichnis 1. EINLEITUNG 1.1 Einführung in das Thema Zielstellung und Inhalt ÜBERBLICK ÜBER DAS KINDERUNFALLGESCHEHEN IN DEUTSCHLAND 2.1 Datenlage Das Kinderunfallgeschehen Unfallprävention UNFÄLLE AUF KINDERSPIELPLÄTZEN 3.1 Datenlage Das Kinderunfallgeschehen auf Spielplätzen UNFALLURSACHEN UND GEFAHRENQUELLEN AUF KINDERSPIELPLÄTZEN 4.1 Einordnung von Unfallursachen Unfallauslösende und -verursachende Faktoren Normabweichungen und Mängel auf Kinderspielplätzen UNFALLPRÄVENTION AUF KINDERSPIELPLÄTZEN 5.1 Normen, Verordnungen, Gesetze (Enforcement) Planerische und technische Maßnahmen (Engineering) Aufklärung und Erziehung (Education) SCHLUSSBETRACHTUNG LITERATURVERZEICHNIS Claudia König 2 1. Einleitung 1.1 Einführung in das Thema In Deutschland erleiden 13 bis 14 % aller Kinder unter 15 Jahren eine Verletzung, die eine ärztliche Behandlung notwendig macht. Das entspricht etwa 1,8 Mio. Kindern (vgl. Ellsäßer 2004). Kinderunfälle geschehen in verschiedenen Lebensbereichen und aus vielfältigen Ursachen. Da Spiel und Bewegung wesentliche Elemente der kindlichen Entwicklung darstellen, kommt den Freizeit- und Spielbereichen von Kindern eine entscheidende Bedeutung in der Unfallprävention zu. Die Welt erschließt sich dem Kind über Bewegung (DIN Deutsches Institut für Normung e. V. 2002, S.17). Im kindlichen Entwicklungsprozess ist die Ausprägung von kognitiven und motorischen Fähigkeiten untrennbar miteinander verbunden. Die Ausführung einer Bewegung impliziert zumeist eine Wirkung auf die Umwelt, sowie eine Erweiterung der eigenen kognitiven Lernprozesse. Kinder sammeln ihre Erfahrungen vorrangig im Spiel. Dabei lernen sie ihren Körper und ihre Fähigkeiten kennen, haben die Möglichkeit ihre eigenen Grenzen auszuprobieren und treten in Kontakt zu ihrer Umgebung und ihren Mitmenschen. Sie können demnach beim Spiel motorische, kognitive und soziale Lernerfahrungen machen. Um diese Lernerfahrungen erlangen zu können, benötigen Kinder Platz. Jedoch schränken die zunehmende Bebauung und die steigende Verkehrsdichte die Spiel- und Handlungsräume von Kindern stark ein. Wo früher das Spielen auf der Straße üblich war, ist dies heute nicht mehr möglich. Angefertigte Spielplätze und -flächen dienen als Ersatz für fehlende Freiräume. Sie sollen die Funktion der natürlichen Umgebung übernehmen, da diese den Kindern aufgrund der städtischen Infrastruktur fehlt. Der Spielplatz soll den Kindern die Möglichkeit und einen Ort zur körperlichen Aktivität und zum Austoben geben, er soll die Phantasie anregen und Freude an der Bewegung vermitteln. Weiterhin kann die Entwicklung der koordinativen Fähigkeiten sowie die Sinnes- und Selbstwahrnehmung gefördert werden. In Zeiten von zunehmendem Bewegungsmangel, motorischen und koordinativen Störungen können Spielplätze, insbesondere in dicht besiedelten Wohngebieten, einen wichtigen Beitrag zur kindlichen Entwicklung leisten. Spielplätze sind jedoch auch eine bedeutsame Gefahrenquelle für Unfälle. Um die Verletzungsrisiken auf Spielplätzen zu verringern, ist eine kindgerechte Planung und Gestaltung sowie eine regelmäßige Wartung und Instandhaltung der Spielplätze ebenso notwendig wie die Förderung sicherer Verhaltensweisen der Kinder und die Kompetenzstärkung der Eltern. Es ergeben sich demnach besondere Anforderungen an Spielplätze, damit Kinder sowohl ihrer Entwicklung förderlich als auch sicher spielen können. Aus diesem Grunde beschäftigt sich die vorliegende Arbeit mit der Sicherheit auf Kinderspielplätzen. Claudia König 3 Agde et al. (1996, S.10) beschreibt die Anforderungen an Spielplätze wie folgt: Gewünscht werden in erster Linie vielfältiger Spielwert, dann die dazu notwendige, möglichst umfassende Sicherheit, eine dauerhafte Stabilität und schließlich eine hohe Wartungsfreundlichkeit, damit Spielwert und Sicherheit kostengünstig erhalten werden können. Nach der DIN-Norm ist eine Spielfläche bzw. ein Spielplatz eine Fläche, die durch Bebauungsplan oder 34 Baugesetzbuch, Baugenehmigung oder Vertrag (innerhalb privater Grundstücke) eigens zum Spielen ausgewiesen und abgesichert ist (DIN Deutsches Institut für Normung e.v. 2002, S.25). Hier sind die Sicherheitsanforderungen an einen Spielplatz speziell ausgewiesen. Neben der Sicherheit ist der Spielwert d.h. Spaß und Freude am Spiel, Vielseitigkeit des Spielangebotes, Anreiz zur kreativen Betätigung (Wasser, Sand, Bausätze u.ä.), Gemeinsamkeit im Spiel (vgl. Agde et al. 1996) unverzichtbarer Bestandteil des Spiels. Der Spielwert beinhaltet außerdem ein gewisses Risiko, eine Aufforderung zum Wagnis (vgl. ebenda). Kalkulierbares Risiko führt zu Lerneffekten, insbesondere bei Menschen, die noch in hohem Maße lernen, wie beispielsweise Kinder. Das erforderliche Risiko muss demnach mit umfassender Sicherheit verknüpft werden. Agde et al. (1996, S.12) schreibt dazu: Unnötiges Risiko muß vermieden werden, daß heißt zumindest, daß niemals mehr Risiko zulässig ist, als der Spielwert es erfordert. Bei der Benutzung der Geräte entsprechend den vorgesehenen Spielmöglichkeiten sollte es ausgeschlossen sein, daß spielende Kinder sich verletzen. Bei Benutzung entgegen den vorgesehenen Spielmöglichkeiten, müssen wenigstens bleibende Schäden vermieden werden. Durch diese Schutzvorkehrungen wird das gewollte Risiko nicht ausgeschlossen, das vom Spielwert nicht zu trennen ist. [ ] Spielbereiche sollten in etwa die gleiche Sicherheit und das gleiche Risiko enthalten wie Lebensbereiche, in denen sich die Spielenden üblicherweise bewegen. [ ] Risiken müssen vor Spielbeginn erkennbar sein, damit Kinder, die ihre Kräfte und ihre Geschicklichkeit für unzureichend halten, an dem betreffenden Gerät gar nicht erst zu spielen beginnen. Aus diesen Forderungen nach Spielwert und Sicherheit auf Kinderspielplätzen leitet sich die Zielstellung der vorliegenden Arbeit ab. Claudia König 4 1.2 Zielstellung und Inhalt Ziel dieser Arbeit ist es, herauszustellen, ob die genannten Anforderungen an Kinderspielplätze eingehalten werden. Hauptaugenmerk liegt dabei auf den sicherheitsrelevanten Aspekten. Die Sicherheit kann zum einen durch das Einhalten technischer Sicherheitsstandards gewährleistet werden, zum anderen durch richtiges, sicherheitsrelevantes Verhalten der Beteiligten. Folgende Fragestellungen werden in der vorliegenden Arbeit besprochen: Welche Aspekte sind in Bezug auf die Sicherheit auf Kinderspielplätzen relevant? Passieren Unfälle eher aufgrund technischer Mängel oder aufgrund von Verhaltensmängeln? Werden die Sicherheitsanforderungen an Spielplätze und Spielplatzgeräte eingehalten oder resultieren die Unfälle auf Spielplätzen aus mangelhafter Einhaltung von Sicherheitsstandards? Welche Verhaltensweisen können zu Unfällen auf Kinderspielplätzen führen? Wie können Unfälle vermieden bzw. eingeschränkt werden? Welche Maßnahmen zur Unfallprävention bestehen bereits? Werden diese Maßnahmen ausreichend umgesetzt oder gibt es Verbesserungspotential? Welche weiteren Maßnahmen sind zur Unfallverhütung denkbar bzw. welche Maßnahmen sollten ausgebaut werden? Um eine Basis zu schaffen, wendet sich die Arbeit im zweiten und dritten Abschnitt dem Kinderunfallgeschehen in Deutschland und der Einordnung der Unfälle auf Kinderspielplätzen zu. Dabei wird zunächst ein Überblick über die Datenlage, das Unfallgeschehen und die Unfallprävention von Kinderunfällen in Deutschland gegeben, um anschließend den Stellenwert von Spielplatzunfällen aufzuzeigen und grundlegende, verfügbare Daten vorzustellen. Im vierten Abschnitt werden die Gründe diskutiert, aus denen Unfälle resultieren. Kinderunfälle können vielfältige Ursachen haben, eine denkbare Einteilung von Unfallursachen wird vorgestellt. Danach ermöglicht ein Blick in vorhandene Studien aus Deutschland und Österreich eine Übersicht zur Entstehung von Unfällen auf Kinderspielplätzen. Einerseits werden Daten zu unfallauslösenden und -verursachenden Faktoren vorgesellt, andererseits zu Normabweichungen und Mängeln auf Kinderspielplätzen. Der Sicherheitszustand von Kinderspielplätzen gibt Aufschluss über mögliche Unfallgefahren und führt gleichzeitig zum Aufzeigen von Verbesserungspotential in der Unfallprävention. Claudia König 5 Auf der Grundlage der Daten zu Unfällen bzw. zu vorhandenen Gefahrenstellen auf Kinderspielplätzen lässt sich ableiten, welche Maßnahmen zur Unfallprävention wichtig und sinnvoll sind. Es wird aufgezeigt, welche Ansatzpunkte im gesetzlichen (Enforcement), im technischen (Engineering) und im verhaltensbezogenen (Education) Bereich bereits angewandt werden und welche Ergänzungen und Verbesserungen sinnvoll wären. Claudia König 6 2. Überblick über das Kinderunfallgeschehen in Deutschland 2.1 Datenlage Nach einer Definition der World Health Organisation (WHO) ist ein Unfall ein vom menschlichen Willen unabhängiges Ereignis, das durch plötzliche, rasche Einwirkung einer äußeren Ursache ausgelöst wird und eine körperliche oder geistige Schädigung bewirkt (Schlintl & Goethals 1995). Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern wie den Niederlanden, Österreich, Dänemark und England, gibt es für Deutschland keine kontinuierliche bevölkerungsbezogene Erfassung aller verletzten Kinder (Ellsäßer 2004, S.3). Teilinformationen zum Unfallgeschehen im Kindesalter sind aus Todesursachen-, Krankenhausdiagnose- und Straßenverkehrsunfallstatistiken des Statistischen Bundesamtes sowie Daten der gesetzlichen Unfallversicherung ersichtlich. Weiterhin führt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) repräsentative Haushaltsbefragungen zu Heim- und Freizeitunfällen durch. Diese Erhebungen sind jedoch wegen zu kleiner Stichproben für bestimmte Altersgruppen der Kinder nicht repräsentativ (vgl. Ellsäßer 2004). Es existiert in Deutschland lediglich ein Unfallmonitoring für Kinderunfälle in der Stadt Delmenhorst. Dabei werden alle verletzten Kinder in der Stadt Delmenhorst erfasst, die in den drei städtischen Kliniken stationär bzw. in den Notfallambulanzen ärztlich behandelt werden (vgl. Böhmann & Ellsäßer 2004). Das Unfallmonitoring in der Stadt Delmenhorst und die Brandenburger Einschulungsuntersuchung sind nach Ellsäßer (2004, S.3) die einzigen bevölkerungsbezogenen Erfassungssysteme in Deutschland, die Verletzungen bei Kindern insgesamt erfassen und nicht nur in Teilbereichen. 2.2 Das Kinderunfallgeschehen Einen Gesamtüberblick über das Unfallgeschehen von Kindern in Deutschland liefert Ellsäßer (2004) (vgl. Abb.1). Im Jahr 2002 erleiden in Deutschland etwa 1,8 Millionen Kinder eine Verletzung, die eine ärztliche Behandlung erforderlich macht. Das entspricht 13 bis 14 % aller Kinder. Dabei werden etwa Kinder so schwer verletzt, dass eine stationäre Behandlung notwendig wird. Zirka 500 Kinder verunglücken tödlich. In den Betreuungs- und Bildungseinrichtungen wie Kindertagesstätte und Schule kommt es zu etwa 1 Mio. Unfällen, im Heim- und Feizeitbereich zu Unfällen, und auf öffentlichen Verkehrswegen zu Unfällen. Claudia König 7 Kinderunfälle ( 15 Jahre) im Jahr 2002 in Deutschland: Kinder wurden getötet Kinder mussten im Krankenhaus behandelt werden 2 - mindestens verletzte Kinder* Die drei häufigsten Unfallorte - Betreuungs- und Bildungseinrichtungen Unfälle 3 - Heim- und Freizeitbereich Unfälle 4 - öffentliche Verkehrswege Unfälle 5+6 darunter im Straßenverkehr Unfälle 5 Wegeunfälle (BUK) Unfälle 6 1 Todesursachenstatistik, 2 Krankenhausdiagnosestatistik, 3 Bundesverband der Unfallkassen (BUK), 4 repräsentative Haushaltsbefragung (2000) im Auftrag der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, hochgerechnete Daten, 5 Straßenverkehrsunfallstatistik, 6 Bundesverband der Unfallkassen * Die bevölkerungsbezogenen Analysen von Brandenburger Einschulungskindern und das Unfallmonitoring in Delmenhorst zeigen stabil seit Jahren, dass zirka 13 % bis 14 % aller Kinder eine Verletzung erleiden und medizinisch behandelt werden mussten. Mit der Annahme von 14 % verletzter Kinder bezogen auf Kinder unter 15 Jahren in Deutschland (2002) muss man von mindestens verletzten Kindern ausgehen. Abb.1: Kinderunfallgeschehen in Deutschland (nach Ellsäßer 2004) 2.3 Unfallprävention In Deutschland gibt es bislang keine zentrale Institution, die sich mit der Prävention von Unfällen auseinandersetzt (vgl. Ellsäßer & Berfenstam 2000). Seit 1997 existieren jedoch zwei Organisationen, die sich für Kindersicherheit einsetzen. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder e.v. (BAG) wird 1997 unter dem Dach der Bundesvereinigung für Gesundheit e. V. auf Initiative des Bundesministeriums für Gesundheit und mit Unterstützung von Johnson & Johnson gegründet. Sie setzt sich als nationaler Dachverband für die Verhütung von Kinderunfällen in Deutschland ein. Ziel ist es, die Öffentlichkeit auf Risiken für Kinderunfälle aufmerksam zu machen, Maßnahmen zur Prävention auszubauen und zu vernetzen. Das Deutsche Grüne Kreuz hat gemeinsam mit dem Komitee zur Prävention von Kinderunfällen ein Aktionsprogramm Prävention von Kinderunfällen herausgegeben. Im Rahmen dieses Aktionsprogramms wird unter wissenschaftlicher Leitung des Landesgesundheitsamtes Brandenburg (Dr. Ellsäßer) in Zusammenarbeit mit der Kinderklinik Delmenhorst (Dr. Böhmann) ein Unfallmonitoring entwickelt, mit dem die Epidemiologie von Kinderunfällen in Deutschland dokumentiert wird. Das Ziel ist die Verbesserung der Prävention in diesem Bereich. Claudia König 8 3. Unfälle auf Kinderspielplätzen 3.1 Datenlage Zum Unfallgeschehen auf Kinderspielplätzen gibt es in Deutschland keine Meldepflicht oder systematische Datenerhebungen (vgl. Ellsäßer & Diepgen 2002). Lediglich Unfälle in öffentlichen Einrichtungen werden durch die gesetzliche Unfallversicherung registriert. Die verfügbaren Daten zu Kinderunfällen auf Spielplätzen sind demzufolge entsprechend begrenzt. Informationen zu Unfällen auf Kinderspielplätzen in öffentlichen Einrichtungen können der Schülerunfallstatistik des Bundesverbandes der Unfallkassen entnommen werden. Dazu steht eine Analyse der Unfallhergänge des Spielplatzunfallgeschehens bei Kindern 2003 zur Verfügung (vgl. Scherer 2003). Diese Auswertung umfasst die Unfälle aller Versicherten im Alter von bis zu 14 Jahren. Es sind somit alle Kinder in Tageseinrichtungen (Krippen, Kindergärten und Horte) sowie auch in Schulen eingeschlossen. Für die Erfassung von Unfällen in öffentlichen Einrichtungen Sachsen-Anhalts ist die Unfallkasse Sachsen-Anhalt zuständig. Hier stehen jedoch keine aussagefähigen Daten zur Verfügung, da die gesammelten Unfälle nur stichprobenartig ausgewertet werden. Eine direkte Anfrage bei Herr Köppen (Unfallkasse Sachsen-Anhalt) ergab, dass dabei nur 3 % der Schulunfälle nach Unfallursachen differenziert werden. Zum Unfallgeschehen auf öffentlichen Spielplätzen und im privaten Bereich können die Analysen des Unfallmonitorings Delmenhorst herangezogen werden. Die genannten Daten beziehen sich auf den Zeitraum von 1998 bis 2001, in dem sich Unfälle ereigneten, davon 570 Unfälle auf Spielplätzen (vgl. Behr 2005). Außerdem untersuchte das Berliner Krankenhaus Friedrichshain Unfälle auf Kinderspielplätzen. Es wurden alle verletzen Kinder erfasst, die von Mai 1998 bis April 1999 ambulant oder stationär in dem Krankenhaus behandelt wurden (N=2143). Dabei verunfallten 167 Kinder auf einem Spielplatz (vgl. Ellsäßer & Diepgen 2002). Die Daten der repräsentativen Haushaltsbefragungen zu Heim- und Freizeitunfällen, insbesondere die Geräteunfallanalyse der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (vgl. BAuA 1998), geben Auskunft zu Unfällen auf Spielplätzen in Zusammenhang mit einem Spielgerät. Wie bereits erwähnt, können diese Daten nur unter Vorbehalt genutzt werden. Sie geben jedoch Hinweise auf das Unfallgeschehen, speziell im Bereich der Unfälle mit Spielplatzgeräten. Da die Datenlage in Deutschland nur eingeschränkte Aussagen zu Spielplatzunfällen zulässt, werden umfassendere Studien aus Österreich ergänzend herangezogen. Claudia König 9 Die österreichische Studie SICHER LEBEN für Kinder (vgl. Schlintl & Goethals 1995) gibt einen Überblick über Häufigkeit, Umstände und Ursachen von Kinderunfällen in Haushalt, Freizeit und Sport in Österreich. Die Studie liefert außerdem spezielle Daten zu Kinderunfällen auf Spielplätzen. Angaben zu Häufigkeit, Alter, Geschlecht, Tätigkeiten, Umständen, Unfallursachen und Verletzungen sind hier ebenso aufgeführt wie spezifische Daten zu den unfallträchtigsten Bewegungsspielen Schaukeln, Klettern und Rutschen. Außerdem liegen die Ergebnisse des Berichts Wie sicher sind Österreichs Spielplätze? des Instituts Sicher Leben vor (vgl. Schwager & Goethals 1999). Hier werden Daten aus sechs, eng miteinander verknüpften Studien verwendet, um Antworten auf verschiedene Fragestellungen zur Sicherheit auf Spielplätzen zu erhalten. Betrachtet werden die Häufigkeit von Mängeln auf Österreichs Spielplätzen, daraus resultierende Unfälle sowie Empfehlungen für Bau, Aufstellung und Wartung der Spielgeräten bzw. -plätzen sowie für Eltern und Aufsichtspersonen. 3.2 Das Kinderunfallgeschehen auf Spielplätzen Nachfolgend wird ein Einblick in das Kinderunfallgeschehen auf Spielplätzen gegeben. Dabei wird der Stellenwert des Unfallortes Spielplatz, die Beteiligung von Spielplatzgeräten bei Stürzen, der Anteil der Spielplatzunfälle an den gesamten Kinderunfällen sowie die Häufigkeit von Unfällen auf privaten bzw. kommunalen Spielplätzen und in öffentlichen Einrichtungen betrachtet. Die Auswertungen des Unfallmonitorings Delmenhorst geben Auskunft über den Zusammenhang des Alters der Kinder und dem Unfallort bzw. der Produktbeteiligung bei Stürzen. Dabei wird deutlich, dass der Unfallschwerpunkt von Säuglingen zu Hause liegt (90,6/ verletzte Kinder). Mit weitem Abstand folgen Unfälle auf öffentlichen Verkehrwegen (4,1/ 1.000) und Unfälle auf Spielplätzen (1,7/ 1.000). Im Alter von ein bis vier Jahren werden neben den Unfällen zu Hause (118/ 1.000) auch die Spielplatzunfälle (11,9/ 1.000) bedeutsam. Im Schulalter verletzen sich jeweils 26,5 von Kindern zu Hause und in öffentlichen Einrichtungen. Dann folgen Unfälle in Sporteinrichtungen (21,9/ 1.000), auf öffentlichen Verkehrswegen (18,1/ 1.000) und auf Spielplätzen (9,9/ 1.000) (vgl. Ellsäßer 2004). Spielplatzunfälle nehmen also sowohl im Kleinkindalter als auch im Schulalter einen hohen Stellenwert ein. Die häufigste Unfallart ist in allen Altergruppen der Sturz. Die meisten Stürze stehen mit einem Gegenstand in Zusammenhang. Dabei gibt es alterstypische Produkte. Spielplatzgeräte nehmen im Säuglingsalter zunächst eine relativ geringe Rolle ein (1,9 %), im Kleinkindalter (1 4 Jahre) gewinnen sie jedoch mit 11,3 % erheblich an Bedeutung. Stürze im Zusammenhang mit Klettergerüsten, Rutschen und Schaukeln sind dabei am häufigsten. Im Schulalter stehen Stürze vom Fahrrad (19,6 %) als Unfallauslöser an erster Stelle, gefolgt von Stürzen von Spielplatzgeräten (12,6 %) (vgl. ebenda). Claudia König 10 Nach der Analyse des Berliner Krankenhauses Friedrichshain verunfallen insgesamt etwa 8 % (167 von 2.143) der behandelten Kinder auf einem Kinderspielplatz (vgl. Ellsäßer & Diepgen 2002). Das Unfallmonitoring der Stadt Delmenhorst kommt zu dem Ergebnis, dass sich 6,4 % (570 von 8.903) der Kinder ihre Verletzungen auf einem Spielplatz zuziehen (vgl. Behr 2005). Ein Blick nach Österreic
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