BUCHBESPRECHUNGEN. Hausärztin im Kiez

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  Renate Schernus Hausärztin im Kiez Porträt der Anna B. Psychiatrie-Verlag, Bonn 2002, 136 Seiten, 12,90 Euro Renate Schernus wird in der sozialpsychiatrischen Szene wegen ihrer bissigen Analysen gefürchtet
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Renate Schernus Hausärztin im Kiez Porträt der Anna B. Psychiatrie-Verlag, Bonn 2002, 136 Seiten, 12,90 Euro Renate Schernus wird in der sozialpsychiatrischen Szene wegen ihrer bissigen Analysen gefürchtet und geliebt. Ihr Plädoyer gegen den Machbarkeitswahn in Psychiatrie und Gesellschaft (so die gleichnamige Sammlung ihrer Aufsätze) war Höhepunkt manch einer Tagung. Im vorliegenden Buch ist sie als Erzählerin zwar präsent, hat sich aber verwandelt. Der Fokus ist ganz auf Anna Bogailoff gerichtet, die Freundin aus der Jugendzeit. Renate Schernus tritt zurück und gibt sich neugierig und verwundert, dabei etwas naiv, als staune ein Kind mit großen Augen über das Treiben einer Hausärztin in einem ungenannten Berliner Kiez. Mit diesem Blick folgt der Leser Renate Schernus und erlebt tatsächlich ein Wunder. Die Praxis wird zunächst in ihrer eher kläglichen Ausstattung beschrieben; das ganze Team wirkt wenig spektakulär. Später ist zu erfahren, dass einige von ihnen ehemalige Patienten sind, womit eine basale Therapiemethode bereits verraten ist. Anna B. behandelt in ihrer Praxis die üblichen Gebrechen; darüber hinaus hat sie 20 Methadonpatienten, die sie am stärksten beanspruchen. Sie schätzt, dass 60 Prozent ihrer Patienten nicht im eigentlichen Sinne körperlich krank sind. Da gibt es den Mann, dem immer so schrecklich kalt ist. Anna B. geht mit ihm in ein Geschäft für Globetrotter und kauft ihm eine Polar-Unterhose, die er von nun an nicht mehr auszieht. Oder Tatjana mit den mysteriösen Schmerzen in den Füßen. Sie nimmt ihr Blut ab, klopft es 25-mal auf einen Block, nicht mehr und nicht weniger, und piekst ihr dann in die Füße. Oder die Methadonpatientin, die nicht mehr aus ihrem Bett raus will, weil es ihr immer so zieht. Anna B. bringt ihr das Methadon und Decken und Laken und baut ihr ein Himmelbett. Als das Ziehen immer noch nicht aufhört, gibt sie ihr ein Neuroleptikum, und langsam wird es besser, und inzwischen ist Frau Sürig ihre Sprechstundenhilfe. Derart märchenhafte, wahrlich unglaubliche Geschichten durchziehen das ganze Buch, erzählt in eher banalem Ton, und eingebettet in weitaus weniger Spektakuläres, und somit beinahe neutralisiert. Fast unendlich viele Vermischungen und Verflechtungen werden geschildert: Fast alle Methadonpatienten müssen irgendetwas tun, entweder Briefmarken ablösen oder als Situationsbetreuer gegen Entgelt alte Leute versorgen. Patienten kommen zu Anna B. nach Hause oder am Wochenende auf ihr Boot. Anschaffungen und Honorare, Geschenke oder aufwendige therapeutische Requisiten werden aus einem speziellen Fonds gespeist, der dank eines gutverdienenden Ehemanns immer gut gefüllt ist. Ergibt sich von selbst, dass Anna B. eigentlich rund um die Uhr arbeitet. Das Geheimnis von Anna B. ist Charisma, gepaart mit einer sympathischen Ratlosigkeit. Es bleibt ein pochender Argwohn im Hinterkopf, weil das kleine Buch mehr ist und sein will als nur die Geschichte einer völlig verrückten Praxis, die man ganz entspannt konsumieren könnte. Nachmachen gewünscht! scheint in großen Lettern über den Kapiteln zu stehen. Aber die Heilige Theresa ist nicht zu imitieren, und so landet man bei den Ratschlägen aus der Supervision, an die eigenen Grenzen zu denken, die eigenen Motive kritisch zu prüfen. Aber mit der Floskel Helfersyndrom, dafür rügt schon vorab der Klappentext, ist Anna B. nicht beizukommen. Bleibt also nichts, als sich einfach aufstören zu lassen, das Buch weiterzugeben, und mit dem Streiten anzufangen. Ilse Eichenbrenner 52 DR. MED. MABUSE 140 NOVEMBER/DEZEMBER 2002 Tilmann Moser Berührung auf der Couch Formen der analytischen Körperpsychotherapie Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2001, 204 Seiten, 8 Euro In einer meisterlich geschriebenen Handreichung stellt Moser typische Behandlungsformen analytischer Körperpsychotherapie vor. Das Buch besteht aus zwei Hauptteilen. Der erste befasst sich mit den Berührungen auf der Couch (z.b. die Berührung der Stirn, das Halten des Kopfes, die Berührung am Nacken, der Hände oder das Experimentieren mit dem Blickkontakt). Der zweite Hauptteil handelt von den Formen der analytischen Körperpsychotherapie ohne Couch. Hier werden ebenso konkret die Formen der inszenierenden Interaktion vorgestellt (z.b. Rücken an Rücken sitzen, Kampfspiele, Schlagen und Treten usw.). Das Buch liest sich sehr flüssig. Mich hat die Verbindung zwischen der literarischen Sprache, dem Bezug zu den Phänomenen und der Klarheit beeindruckt, in der sehr differenzierte und komplexe Vorgänge erfasst werden. Ein Musterbeispiel sind seine Ausführungen zur projektiven Identifizierung, d.h. zu den geheimnisvollen Vorgängen, wenn sich der Psychotherapeut durch die Selbstzustände des Patienten quasi infiziert fühlt: Wie er das künstliche Verständnis in der herkömmlichen Psychoanalyse auf die konkreten Wirkungszusammenhänge zwischen Patient und Therapeut bezieht und dabei eine angemessene Sprache für diese basalen Vorgänge findet. Immer wieder wird deutlich, dass Inszenierungen oder Berührungen einen besonderen Zugang zu frühen Stadien der Selbstwerdung haben. Die Vielzahl der Beispiele zeigt, wie mit den angebotenen Berührungs- und Handlungsproben der Raum zwischen Analytiker und Patient um die Dimension des operativen Verstehens und Behandelns erweitert wird. Der Kosmos präverbaler Beziehungs- und Handlungserfahrungen ist nicht im verbalisierbaren Unbewussten gespeichert, sondern in einem Unbewussten, das nur über konkrete Handlungsdialoge zugänglich ist. Das Buch stellt eine praxeologische Fundgrube mit reichhaltigen Anregungen für analytische Körperpsychotherapeuten und für Körperpsychotherapeuten mit tiefenpsychologischer Fundierung dar. Es bietet viele konkrete Hinweise, wie der therapeutische Raum für eine Inszenierung von Modellsituationen der Vergangenheit oder der aktuellen seelischen Wirklichkeit genutzt werden kann. Es ist ein hilfreiches Lehrbuch für Körperpsychotherapeuten, die die Übertragung und Gegenübertragung in der Arbeit mehr berücksichtigen wollen und nach Anleitungen suchen, wie die Gegenübertragungsreaktionen in hilfreiche therapeutische Interventionen transformiert werden können. Es bietet allen Psychoanalytikern, die an einer vorsichtigen Erweiterung ihres Repertoires interessiert sind, vielfältige Anstöße für erste Experimente in ihrer Behandlungspraxis. Günter Heisterkamp Ursula Koch-Straube Beratung in der Pflege Huber Verlag, Bern 2001, 211 Seiten, 24,95 Euro Ursula Koch-Straube, Inhaberin einer pflegewissenschaftlichen Professur mit dem Schwerpunkt Beratung / Supervision an der evangelischen Fachhochschule in Bochum, liefert mit ihrem Buch Beratung in der Pflege einen grundlegend ansetzenden Diskussionsbeitrag zum Thema. Koch-Straube favorisiert den so genannten integrativen Ansatz, der aus der Gestalttherapie heraus von H. Petzold entwickelt wurde und für sich in Anspruch nimmt, alle vorhandenen Psychotherapieansätze zu einem einzigen schlüssigen Gesamtmodell zu vereinigen. Dementsprechend sind im integrativen Ansatz die Psychoanalyse, die Verhaltenstherapie, die Gestalttherapie zu erkennen, aber auch soziologische Ansätze etc. Im Anschluss an die Ausführungen zu den psychotherapeutischen Ansätzen befasst Koch-Straube sich mit der Differenzierung von Psychotherapie und Beratung und macht jeweils Unterschiede in Zielsetzung und Rahmen deutlich, um dann den integrativen Psychotherapieansatz auf einen integrativen Beratungsansatz für die Pflege zu übertragen. Nach dem ersten Abschnitt des Buches, in dem theoretische Grundlagen für das Thema Beratung gelegt werden, befasst sich die Autorin mit der Pflege- DR. MED. MABUSE 140 NOVEMBER/DEZEMBER praxis und hebt hervor, dass Beratung wesentlich stärker zu einem Leitprinzip pflegerischen Handelns gemacht werden müsste, wovon die Realität im Gesundheitswesen aber noch weit entfernt sei. Sie leitet dabei für verschiedene pflegerische Aufgabenfelder Schwerpunkte des Beratungsbedarfs ab, z. B. für Überleitungspflege, Arbeit mit chronisch Kranken und Pflege in der Pädiatrie. Des Weiteren stellt sie Überlegungen dazu an, wie Beratung verstärkt in der Pflegepraxis verankert werden könnte. Neben den bekannten Möglichkeiten dazu, wie Supervision, kollegiale Supervision und der Forderung nach verstärkter Einbindung beraterischer Elemente in die Pflegeausbildung, empfiehlt sie die Einführung eines Pflegeberatungsstudiengangs. Frau Koch-Straubes Buchbeitrag zum Thema Beratung in der Pflege ist vor allem dafür zu würdigen, dass er das derzeit noch vernachlässigte Thema sehr umfassend in den Blick nimmt. Für den am theoretischen Diskurs interessierten Leser wird vor allem deutlich, mit welchen Nachbarwissenschaften eine Theorie zur Beratung in der Pflege sich auseinandersetzen muss. Der kritische oder beraterisch tätige Leser wird aber Koch- Straubes Kritik an den renommierten Psychotherapieansätzen inhaltlich schwer nachvollziehen können. So teile ich die Schlussfolgerung Koch-Straubes auch nicht, dass für die Pflege der wenig bekannte integrative Therapieansatz von H. Petzold als theoretische Basis der geeignetste sei. Bei ihrem Versuch, diesen auf einen Pflegeberatungsansatz zu übertragen, entsteht der Eindruck, dass es sich weniger um ein integriertes Modell, sondern vielmehr um ein additives handelt, bei dem situationsabhängig jeweils tiefenpsychologisch, verhaltenstherapeutisch usw. interveniert wird. Hinzu kommt, dass in den weiteren Ausführungen nicht wirklich klar wird, wie Koch-Straubes integrativer Beratungsansatz in der pflegerischen Anwendung ganz konkret aussieht. Offen bleibt vor allem auch, welche Kriterien darüber entscheiden, in welchen konkreten Situationen jeweils Interventionen der unterschiedlichen Psychotherapieansätze angewendet werden sollen. Daneben entsteht die Frage, wer eine Kompetenz zur Pflegeberatung nach dem integrativen Beratungsansatz überhaupt haben könnte. Müssen PflegeberaterInnen also, um kompetent beraten zu können, zunächst tiefenpsychologische, personzentrierte, gestalttherapeutische usw. Ausbildungen durchlaufen, um dann in die Pflegeberatung einsteigen zu können? An Beratung interessierte Pflegepraktiker erkennen durch Koch-Straubes Buch, dass Beratung ein pflegerisches Grundinstrumentarium sein sollte, das im gesamten Pflegeprozess angewendet werden müsste. Praktische Unterstützung bei dem Bestreben, den von Koch- Straube bevorzugten integrativen Ansatz in der Pflege auch tatsächlich anzuwenden, gibt dieses Buch jedoch bei näherer Betrachtung eher nicht. Es leistet somit zwar einen wichtigen Diskussionsbeitrag, macht aber weitere Veröffentlichungen zum Thema Beratung in der Pflege erforderlich, die Antworten auf praxisrelevante Fragen geben: Wie kann Pflegeberatung unter den spezifischen und oftmals schwierigen Praxisbedingungen für alle Beteiligten lebbar gestaltet werden? Wie kann Pflege konzeptionell begründet entscheiden, wann sie jeweils somatische Pflegemaßnahmen durchführt, wann sie Informationen vermittelt, wann sie im Prozess der Krankheitsbewältigung hilft, wann sie den Patienten im persönlichen Wachstumsund Genesungsprozess fördert usw.? Wie können sich Pflegende die dafür erforderlichen Kompetenzen aneignen und erhalten? Agnes Koß Martin Wollschläger (Hg.) Sozialpsychiatrie Entwicklungen Kontroversen Perspektiven dgvt Verlag, Tübingen 2001, 908 Seiten, 49 Euro In einer Zeit, in der über die Zukunft der Sozialpsychiatrie sorgenvoll diskutiert wird, legt Martin Wollschläger, Psychologe an der Westfälischen Klinik Gütersloh, einen anregenden Sammelband mit 52 Artikeln, Literatur- und AutorInnenverzeichnis und Namens-, Orts- und Sachregister auf über 900 Seiten vor: kurzum, einen Wälzer. Die Artikel verteilen sich auf folgende Gebiete: Neuere und Zeitgeschichte der Psychiatrie; Rechtsverhältnisse in der Psychiatrie; 54 DR. MED. MABUSE 140 NOVEMBER/DEZEMBER 2002 Allgemeine Bestandsaufnahme und kritische Reflexion; Orte psychiatrischen Handelns; Psychiatrische Therapeutik; Alternativen und Komplementäres; Der Trialog aus Sicht der Psychiatrieerfahrenen und Angehörigen; Forschung und Qualitätssicherung. Vorwort, Einleitung und Ausblick greifen die alte Diskussion darüber auf, ob Sozialpsychiatrie ein Spezialgebiet oder ein Wesensbestandteil der Psychiatrie ist und wie dieser Wesensbestandteil für die Zukunft gesichert werden kann. Führt die explizite Benennung als Sozialpsychiatrie zu einer deutlicheren Wahrnehmung der damit verbundenen Ansprüche oder dient sie eher der Aussonderung? Insbesondere die renommierten Ärzte sorgen sich darum, ob es dauerhaft gelingt, sozialwissenschaftliche Ansätze in der Medizin als wesentlich zu stabilisieren, und zwar sowohl unter Forschungs- wie unter Versorgungsaspekten. Die Zerreißprobe zwischen einer sozialen und einer naturwissenschaftlichtechnologischen Medizin wird exemplarisch deutlich an und in der Psychiatrie. Obwohl auf der wissenschaftstheoretischen Ebene die Befunde deutlich in Richtung auf ein multifaktorielles Bedingungsgefüge in der Entstehung und im Verlauf psychischer Erkrankungen weisen, werden Konsequenzen bezüglich entsprechender Forschungsdesigns und Mittelvergabe genauso wenig gezogen wie z.b. bezüglich der unterschiedlichen Zeitdynamiken von sozialen, psychischen und körperlichen Faktoren. Am Beispiel des gesellschaftlich geprägten Umgangs mit der Zeit lassen sich weitere Auswirkungen ablesen: so arbeitet eine Reihe von Artikeln den Zusammenhang zwischen Umgang mit der Zeit und Beziehung zwischen PatientInnen / Betroffenen und Tätigen heraus, so z. B. in den dichten Erzählungen in Soteriaelemente in der psychiatrischen Pflichtversorgung. Möglichkeiten der Gewaltvermeidung oder in Renate Schernus Umweg vor Zielgenauigkeit Effektivitätsdogmen hinterfragen. Sozialpsychiatrie könnte sich, folgt man diesem Buch, auch dadurch auszeichnen, dass in ihr die Beziehungen zwischen allen betroffenen Personen durch Respekt und Begegnung auf gleicher Höhe bestimmt sind. Die Publikation zeichnet sich dadurch aus, dass sie das selbst realisiert: die Art und Weise, wie AutorInnen zu ihren Themen kamen, spielt für ihre Zuordnung zu den oben aufgezählten Gebieten ebenso wenig eine Rolle wie die Form, in der diese präsentiert werden. Entsprechend schlägt Wollschläger vor, den Begriff Sozialpsychiatrie als Kennzeichnung für ein grundsätzlich multiperspektivisches, fächerübergreifendes und dabei gleichberechtigtes psychiatrisches Denken und Handeln weiterzuverwenden. Was bringt das Buch? Es bringt eine Fülle von Anregungen zum Hineinschnuppern und Weiterlesen, zum Wiederbedenken, zum Bedauern über abgebrochene Entwicklungen. Es sichert aber auch durch seine Darstellung gewisse Entwicklungsprozesse. Es illustriert durch eine Vielzahl von Berichten, dass die Entwicklung medizinischer Teilgebiete wie aller Wissenschaften immer im Fluss ist und welche menschlichen Qualitäten der Medizin verloren gehen, wenn die sozialen an andere Fachdisziplinen abgegeben werden mal abgesehen davon, dass sich die Frage stellt, mit welcher Berechtigung die Medizin dann über Versorgungsfragen mitreden will. Es ist ein Lehrbuch in dem Sinne, dass es die eigenen Fragen anregt und das Weitersuchen, wozu die umfangreichen Register und das Literaturverzeichnis sehr hilfreich sind. Es ist kein Lehrbuch in dem Sinne, dass es eine Systematik vermittelt. Da auch Lernen mit Umwegen verbunden ist, gehört es zumindest in jede Fach- und Hochschulbibliothek. Alexa-Köhler-Offierski Jürgen Krauß / Petra Müller u.a. Arzneimitteleinnahme Wann Wie viel Womit Deutscher Apotheker-Verlag, Stuttgart 2002, 320 Seiten, 22 Euro Viele Bücher sind kaum mehr als Doubletten anderer Bücher, nur eben anders zusammengestellt. Dieses Buch jedoch ist etwas Neues. Es füllt eine Lücke, denn Folgendes passiert immer wieder: Man hat ein Arzneimittel verordnet, von dem man sicher ist, dass es passt; dazu ist der Patient zuverlässig in puncto Einnahme und trotzdem bleibt der Behandlungserfolg aus. Dann kann dies auch daran liegen, dass nicht berücksichtigt wurde, wie das Mittel einzunehmen ist, also, auf nüchternen Ma- DR. MED. MABUSE 140 NOVEMBER/DEZEMBER gen oder mit, oder nach dem Essen, oder auf keinen Fall zusammen mit Milch... Es ist erstaunlich, wie viel Störwirkungen einfach aus falschen Einnahmeweisen oder aus Interaktionen mit anderen Mitteln resultieren. Um auf diesem Felde aufzuklären, widmet sich das Buch ganz den Fragen des Wann? Wie viel? Womit? Die Autoren geben für etwa 600 Arzneistoffe konkrete Einnahmeempfehlungen und pharmakokinetische Basis-Daten, die durch Angaben zum Wirkungseintritt und zur Wirkungsdauer ergänzt werden. Eigentlich ist das Buch für Apothekenmitarbeiter gedacht. Aber ich bin überzeugt, dass es auch auf internistischen, psychiatrischen oder geriatrischen Stationen oder auch in Altenheimen gute Dienste leisten kann. Hätten Sie zum Beispiel gewusst, welche Pharmaka auf gar keinen Fall mit Cola eingenommen werden sollten oder welche Störwirkungen Grapefruitsaft für andere Arzneien haben kann? Eine kleine Kritik: Für die 2. Auflage würde ich mir wünschen, dass noch die Interaktionen von hochdosierten Johanniskraut-Extrakten mit anderen Pharmaka, z.b. mit bestimmten Gerinnungshemmern und mit den Protease-Inhibitoren in der HIV-Therapie aufgenommen werden. Was auch fehlt sind Hinweise darauf, wie man Homöopathika und Anthroposophika einzunehmen hat. Wilfried Schubert Aachener Hauspflege-Team (Hg.) Handbuch der ambulanten Pflege von Praktikern für Praktiker Hippokrates Verlag, Stuttgart 2001, 328 Seiten, 49,95 Euro Derzeit erhalten etwa 1,4 Millionen Menschen Leistungen aus der Pflegeversicherung, um in ihrer häuslichen Umgebung betreut, versorgt und gepflegt zu werden. Die Anzahl steigt nach den Prognosen der Kostenträger und der zuständigen Ministerien in den nächsten Jahren auf über zwei Millionen an. Gründe dafür ergeben sich aus der demografischen Entwicklung und einer erhöhten Nachfrage, vor allem durch ältere Menschen und ihre Angehörigen. Eine Folge dieser Entwicklung ist der wachsende Bedarf an Pflegekräften im Marktsegment der ambulanten Pflege. Viele examinierte Kräfte in Alten- und Pflegeheimen, Krankenhäusern und Reha-Einrichtungen überlegen sich, ob sie in diesen wachsenden Arbeitsbereich wechseln sollen. Weil die Pflegebereitschaft der Familien aus unterschiedlichen Gründen immer mehr zurückgeht, werden zusätzlich angelernte Hauspflegende und PflegehelferInnen für die Übernahme hauswirtschaftlicher und grundpflegerischer Aufgaben benötigt. Ein Streitthema der letzten Monate war die Green Card für ausländische Haushaltshilfen in Pflegehaushalten. Hierdurch könnte, so die Initiatoren, stillschweigend geduldete häusliche Schwarzarbeit legalisiert und wenigstens teilweise dem Pflegenotstand abgeholfen werden. Für die Zielgruppen der angelernten Mitarbeiter/innen sowie der examinierten Pflegekräfte liegt nun ein Handbuch vor, das Wissen vermitteln bzw. auffrischen und Erfahrungen weitergeben will: Sie haben gerade eine Anstellung als Hilfskraft in der häuslichen Pflege bekommen. Wie ging doch gleich die 30 - Seitenlagerung? Ihr Patient hat immer Schwierigkeiten einzuschlafen, aber der Hausarzt kümmert sich nicht. Auf der Suche nach einem geeigneten Naturheilmittel werden Sie fündig Sie stehen vor der verschlossenen Tür Ihres Patienten. Das ist noch nie passiert! Sie pflegen schon seit Jahren und beherrschen Ihren Job, doch der neue Patient stammt aus Russland. Wir haben Ihnen einen kleinen auf Ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Wortschatz an die Hand gegeben, mit dem Sie den Kontakt zu diesem Patienten zufriedenstellend gestalten können Ihre demente Patientin verweigert eine wichtige Pflegemaßnahme. Mit einem kleinen Trick könnte es besser klappen. Diese und mehr Themen behandelt das Aachener Hauspflege-Team in zehn Kapiteln:
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